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Übersprungshandlungen - was ist das und warum zeigt mein Hund dieses Verhalten

Der Begriff „Übersprungshandlung“ beschreibt erstmal einfach nur ein Verhalten des Hundes. Und zwar ein Verhalten, das für uns Menschen meistens gar nicht so richtig in die Situation passen will und irgendwie fehl am Platz wirkt. Das Verhalten passt weder zu dem vorangegangenen noch zum darauffolgenden Verhalten.



Hund zeigt Übersprungshandlung Züngeln


Übersprungshandlungen werden durch Konfliktsituationen bzw. Stress ausgelöst. Dies können sowohl innere, als auch äußere Konflikte sein. Die Auslöser können an sich in drei grobe Kategorien eingeteilt werden.

  • Stress im Allgemeinen

  • Konflikt zwischen zwei gleichwertig motivierten Handlungen

  • Die Hinderung einer stark motivierten Handlung

Der Hund steht also in einem Konflikt und zeigt dann eine Übersprungshandlung, denn es ist für ihn zum einen eine Art Flucht aus der Situation, sie verschafft ihm Zeit und kann zudem aber auch eine beruhigende und stressreduzierende Wirkung haben.


Übersprungshandlungen zeigt nicht nur jeder Hund, sie sind auch im Allgemeinen im Tierreich und bei uns Menschen nichts Ungewöhnliches. Wir Menschen kratzen uns zum Beispiel manchmal am Kopf, obwohl es gar nicht juckt, oder wir beißen uns auf die Lippe, wackeln mit dem Bein etc. Diese Handlungen geschehen nicht bewusst, aber wir können dadurch Stress abbauen.


Wahrscheinlich wird es anhand einiger Beispiele noch deutlicher, was genau eine Übersprungshandlung ist:


  1. Der Hund fühlt sich in Begegnungen mit Artgenossen unwohl. Nun wird dieser Hund an der kurzen Leine an einem anderen Hund vorbeigeführt und danach wieder freigegeben. Nach der Freigabe rennt der Hund scheinbar unkontrolliert los und tobt herum. Das unkontrollierte Losrennen ist in diesem Fall kein Ausdruck von Freude, sondern eine Übersprungshandlung. Der Hund befand sich in einem Konflikt, da er sich durch den anderen Hund unwohl fühlte, wurde aber durch die kurze Leine an einer Distanzvergößerung gehindert. Dadurch hat sich Stress aufgebaut, den der Hund nun durch das Rennen wieder abbaut.

  2. Der Hund möchte zu einem Baum, um dort zu markieren, gleichzeitig gibt der Halter aber das Signal „Weiter“ und fordert den Hund auf, in eine andere Richtung weiterzulaufen. Daraufhin fängt sich der Hund an zu kratzen. Das Kratzen stellt hier eine Übersprungshandlung dar. Der Hund befindet sich in einem Konflikt, da er zum einen Markieren will, zum anderen aber auch das Signal seines Halters ausführen möchte. Um Zeit zu gewinnen und dem Konflikt zu entfliehen, kratzt sich der Hund.

  3. Der Hund hat Jagdtrieb und entdeckt einen Hasen. Allerdings darf er dem Hasen nicht hinterher und wird von der Hatz abgehalten. Daraufhin fängt er massiv an, zu buddeln. In diesem Fall kann das Buddeln eine Übersprungshandlung sein. Der Hund befindet sich in einem Konflikt, da seine stark motivierte Handlung bzw. sein Trieb zum Jagen unterbunden wird. Die aufgestaute Energie und der entstandene Stress entladen sich im Buddeln.

Übersprungshandlungen müssen allerdings nicht immer so deutlich auftreten. Oft sind es auch nur kleine, kurze Handlungen, die uns Menschen dann auch gar nicht bewusst auffallen, z.B. ein Züngeln oder Gähnen.


Es gibt unzählige verschiedene Übersprungshandlungen, die sich je nach Hund unterscheiden. Sie alle aufzuzählen wäre endlos, aber man kann sie immer einer der folgenden Kategorien zuordnen:

  • Übersprung ins Komfort- oder Körperpflegeverhalten: z.B. Der Hund kratzt, leckt oder schüttelt sich

  • Übersprung ins Lautäußerungsverhalten: z.B. Der Hund bellt, winselt oder heult

  • Übersprung in die Fortbewegung: z.B. Der Hund schießt plötzlich los und tobt unkontrolliert rum

  • Übersprung ins Spielverhalten: z.B. Der Hund beißt in die Leine und fängt ein Zerrspiel an, greift uns spielerisch körperlich an, er sucht sich einen Ast spielt mit ihm oder kaut drauf rum.

  • Übersprung ins Ruheverhalten: z.B. Der Hund legt sich oder setzt sich hin.

  • Übersprung ins Jagdverhalten: z.B. Der Hund fängt an, nach imaginären Mäusen zu buddeln.

  • Übersprung ins Sexualverhalten: z.B. Der Hund reitet an anderen Hunden auf oder am Bein des Menschen auf.


Da es bei Übersprungshandlungen einige Überschneidungen zu den Beschwichtigungssignalen gibt, können Übersprungshandlungen im Übrigen auch deeskalierend wirken.


Sollte dein Hund ab und zu Übersprungshandlungen zeigen, sich aber selbst wieder daraus lösen können, ist das erstmal gar nichts schlimmes und ziemlich normal. Du kannst deinem Hund aber z.B. gerne ein Alternativverhalten anbieten, um mit dem Konflikt besser umgehen zu können.


Sollte dein Hund aber häufig Übersprungshandlungen zeigen und diese fallen eventuell auch noch ziemlich heftig aus bzw. kommt er aus dem Verhalten von selbst nicht mehr raus, zeigt es dir, dass dein Hund in vielen Situationen Stress hat. Du solltest diese Situationen also im Auge behalten und gegebenenfalls mit gezieltem Training daran arbeiten.


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