Mein Hund hat "Angst" (Teil 1)

Angst ist ein Wort, dass wir umgangssprachlich doch ziemlich pauschal verwenden, nämlich für all die Situationen, die uns Unbehagen bereiten. Genauso machen wir das auch bei unseren Hunden. Doch diese umgangssprachliche „Angst“ kann viele Facetten haben und um unsere Hunde bestmöglich unterstützen zu können, sollten wir als HalterInnen die verschiedenen Ausprägungen der "Angst" unterscheiden können.




Unsicherheit

Stell dir vor, du gehst nachts durch den dunklen Park. Du fühlst dich unwohl, bist nervös, läufst mal lieber etwas zügiger und bist in der Erwartung, dass ja eventuell etwas passieren könnte, du bist aber noch in der Lage, ein Gespräch mit einer FreundIn am Telefon zu führen und dieses Telefonat hilft dir auch mit der Situation umzugehen. Übertragen auf den Hund, spricht man hier von Unsicherheit. Ein Hund, der sich in Situationen unsicher fühlt, beobachtet sein Umfeld, agiert vorsichtig und zurückhaltend, ist angespannt. Aber, er ist ansprechbar und uneingeschränkt handlungsfähig. Du kannst ihn anleiten und Hilfestellung bieten. Außerdem ist der Hund hier noch in der Lage zu lernen.


Angst

Angst im eigentlichen Sinne ist eine Steigerung von Unsicherheit. Stell dir vor, du liegst nachts alleine in deinem Bett, draußen tobt ein Gewitter, du hörst den Wind pfeifen und der Rollladen knallt immer mal wieder gegen dein Fenster, ansonsten herrscht völlige Stille. Plötzlich poltert es draußen, du hörst wie etwas aus Glas in Scherben zerspringt und dann – ein lauter Knall in deinem Keller – war das etwa eine Tür?

Die meisten Menschen hätten jetzt Angst. Der Pulst steigt an, die Atemfrequenz erhöht sich, man verspürt ein Beklemmungsgefühl und es läuft einem eiskalt den Rücken hinunter. Und was ist die typische Reaktion? Anstatt logisch darüber nachzudenken, dass das alles wahrscheinlich mit dem Sturm draußen zu tun hat, ziehst du dir vielleicht lieber die Decke über den Kopf.

Auch dies ist wieder übertragbar auf den Hund. Hat ein Hund Angst, zeigt er körperliche Reaktionen wie zum Beispiel Hecheln, vermehrten Speichelfluss und Zittern. Außerdem wird er durch seine Angst handlungsunfähig und ist für uns HalterInnen kaum mehr ansprechbar. Er kann unsere Hilfestellung nur noch sehr bedingt annehmen. Auch ein Lernprozess findet hier kaum noch statt, da das Gehirn durch die Angst blockiert wird.


Panik

Panik wiederum ist eine Übersteigerung der Angst. Wenn der Hund in Panik verfällt, schaltet er in den absoluten Überlebensmodus. Der Körper schüttet noch mehr Hormone aus und setzt so alle Energiereserven frei um das Überleben zu sichern. Der Hund ist für uns HalterInnen nicht mehr ansprechbar; ein Lernen findet nicht statt.


Furcht

Du fühlst dich unwohl, wenn du weißt, dass sich in dem Raum, in dem du dich gerade aufhältst eine Spinne befindet? Dann spricht man hier von Furcht. Denn im Gegensatz zu Angst bezieht sich Furcht auf einen konkreten Reiz. Das können für den Hund alle möglichen Dinge sein – bestimmte Geräusche, Gegenstände, Personen etc., aber der Reiz ist immer genau definierbar. Die Furcht tritt außerdem immer erst auf, wenn der Reiz gegenwärtig ist und baut sich auch wieder ab, sobald der Auslöser verschwindet. Du wirst also immer erst nervös, wenn du die Spinne in deinem Raum entdeckt hast und du entspannst dich wieder, sobald die Spinne weg ist. Tatsächlich ist Furcht bei einem Hund oft besser trainierbar als Angst, da immer gezielt mit dem auslösenden Reiz gearbeitet werden kann.


Phobie

Die übersteigerte Form von Furcht wiederum ist eine Phobie. Auch Hunde können an Phobien leiden. Typisch ist eine unverhältnismäßige Reaktion auf einen auslösenden Reiz. Vielleicht hast auch du einen Hund zuhause, der sich an Silvester fürchtet und das laute Knallen richtig doof findet. Wenn nun aber ein Hund schon beim kleinsten Scheppern zitternd unter dem Sofa sitzt und dort für eine längere Zeit nicht mehr rauskommt, sprechen wir nicht mehr von einer Furcht vor einem bestimmten Geräusch, sondern von einer Phobie, in diesem Fall von einer Geräuschphobie. D.h. die Reaktion des Hundes fällt ziemlich krass aus und steht in keinem Verhältnis mehr zum Auslöser.

Oft werden bei einer Phobie auch Nachteile in Kauf genommen. Als Spinnenphobiker würdest du wahrscheinlich lieber den ganzen Tag hungern, als die Küche zu betreten, in der die Spinne sitzt. So gibt es auch Hunde, die z.B. lieber ewige Zeit einhalten, als bei Gewitter vor die Tür zu gehen, um sich lösen zu können.

Auch bei einer Phobie sind Hunde handlungsunfähig und das Lernen ist blockiert.


Hier gehts zu Teil 2 der Beitragsreihe mit Tipps für den Alltag.


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