Mein Hund hat „Angst“ – und jetzt? (Teil 2)

Dein Hund ist in gewissen Situationen unsicher oder hat Angst? Dann kamst du wahrscheinlich auch schon häufiger mal an den Punkt, wo du dich gefragt hast – „Und jetzt?“.

Angst ist für uns Menschen nichts Ungewöhnliches, fast jeder von uns kennt dieses Gefühl Aber mit unserem Hund kann man leider nicht einfach ein Gespräch führen und ihm dann die Welt erklären. Wie geht man aber mit einem Hund um, der generell unsicher ist oder in bestimmten Situationen Unsicherheiten zeigt?



Nehmen wir doch erstmal eine menschliche Situation. Ich zum Beispiel werde sehr unsicher, wenn es darum geht, eine steile Treppe oder einen steilen Abhang hinunterzulaufen. Wenn dann auch noch kein Geländer oder ähnliches zum Festhalten da ist, wird’s richtig schwierig. Ich merke, wie mein Puls schneller wird, die Beine wacklig, ich atme schneller – kurz um, ich werde wirklich unsicher. Sagen wir mal, ich befinde mich gerade in genau einer solchen Situation und mein Freund begleitet mich. Er hätte nun verschiedene Möglichkeiten zu agieren:


  • Immer wieder hört man ja „Du musst deinen Hund ignorieren, wenn er Angst hat, sonst bestärkst du seine Angst“. In meiner Situation würde mein Freund also vollkommen ignorieren, wie ich mich fühle und einfach weitergehen. Was bedeutet das für mich? Ich finde die steile Treppe nun nicht weniger doof, aber auch nicht schlimmer. Aber: Unserer Beziehung hat das mit Sicherheit nicht unbedingt gutgetan, denn ich habe einfach nur gemerkt, dass er keine Stütze für mich ist, wenn es mir nicht gut geht.

  • Mein Freund könnte auch mit eher übertriebenem Verständnis bzw. Mitleid reagieren, mich ganz doll in den Arm nehmen, viel auf mich einreden und mir zusichern, dass er verstehen kann, dass ich mich unsicher fühle, schließlich ist die Treppe ja wirklich steil. Das würde zwar unserer Beziehung nicht schaden, aber meine Unsicherheit würde ich dadurch auch nicht besser in den Griff bekommen, schließlich habe ich ja eher noch die Bestätigung bekommen, dass meine Unsicherheit absolut berechtigt ist. Auch die unsichere Haltung meines Freundes und das viele Reden helfen mir nicht, ruhiger zu werden.

  • Mein Freund könnte aber auch ruhig zu mir kommen und sagen „Hey, alles gut, das kriegen wir hin. Hier hast du meinen Arm zum Festhalten und dann gehen wir da jetzt ganz langsam zusammen runter“. Und ich? Ich denke mir dann nicht nur, dass ich einen tollen Freund habe, der mich unterstützt und auf den ich mich verlassen kann, sondern kann mit seiner Hilfe auch besser mit der Situation umgehen.


Vielleicht hast du selbst ja auch Situationen, die dir Unbehagen bereiten. Überlege gerne mal, wie man dich in dieser Situation am besten unterstützen könnte.

Im Endeffekt ist es in der Beziehung Mensch-Hund nämlich sehr ähnlich. Es geht darum, dass wir zum einen Verständnis und Empathie für unseren Hund aufbringen, zum anderen aber auch sagen „Hey, aber zusammen kriegen wir das hin“ und ihn sinnbildlich an die Hand nehmen.


Damit du in Zukunft ein bisschen besser mit der Unsicherheit deines Hundes umgehen kannst, habe ich hier einige Tipps für den Alltag für dich:


1. Schutz bieten

Um deinem Hund Sicherheit zu bieten, wirst du zum Puffer zwischen ihm und den Reizen, die ihn unsicher werden lassen. Du nimmst deinen Hund also zum Beispiel auf die abgewandte Seite oder hinter dich. So kann dein Hund lernen, dass du seine Emotionen verstehst und die Verantwortung übernimmst, während er an deiner Seite in Sicherheit ist. Wichtig: Wenn du der Puffer bist, bist du der Puffer. Dann wird auch wirklich alles abgeblockt, was deinem Hund in diesem Moment Stress bereitet.


2. Bleib souverän

Hunde (wir Menschen im Übrigen auch) orientieren sich gerne an souveränen Sozialpartnern. Damit wir Menschen nun also dieser souveräne Partner sein können, ist es wichtig, dass wir einen Plan haben. Überlege dir also im Voraus, wie du in verschiedenen Situationen agieren möchtest. Die Tatsache, dass du zu jeder Zeit weißt, wie du reagieren kannst, lässt dich handlungsfähig bleiben und gibt deinem Hund Sicherheit. Außerdem hilft es dir dabei, ruhig zu bleiben. Stimmungsübertragung sollte im Hundetraining nie unterschätzt werden und noch dazu ist es doch super, wenn dein Hund sieht, dass dich die Situation so gar nicht aus der Ruhe bringt.


3. Einfach mal gucken

Unsichere Hunde beobachten ihre Umwelt sehr viel. Also machen wir das doch einfach mal ganz bewusst und zusammen. Sucht euch einen geschützten Ort und beobachtet gemeinsam die Umwelt. So hat dein Hund Zeit, die Reize nicht nur wahrzunehmen, sondern auch zu verarbeiten.


4. Regeln und Rituale

Unsicheren Hunden hilft oft eine feste Struktur. Regeln und Rituale sind etwas, woran man sich festhalten kann, quasi Leitplanken, die einen klaren Rahmen abstecken. Während Regeln dazu dienen, dass der Hund genau weiß, was erlaubt ist und was nicht, sind Rituale kleine Ankerpunkte im Alltag, die dem Hund wiederkehrende Abläufe vorgeben. Durch Regeln und Rituale entsteht beim Hund eine Erwartungssicherheit und diese wiederum führt zu einem allgemeinen Sicherheitsgefühl.


5. Fordern, aber nicht überfordern

Damit dein Hund sich weiterentwickeln kann, ist es wichtig, dass ihr schwierige Situationen nicht komplett meidet, sondern sie gezielt aufsucht. Nur so kann dein Hund sich mit den Reizen auseinandersetzen und die Erfahrung machen, dass alles halb so schlimm ist. Aber du solltest darauf achten, dass du die Situation so gestaltest, dass sie für deinen Hund machbar ist und du ihn nicht überforderst.


6. Ruhezeiten

Hunde haben generell ein sehr hohes Ruhebedürfnis. Für Hunde, die unsicher oder mit Ängsten zu lämpfen haben, sind diese Ruhezeiten nochmal wichtiger, denn sie dienen dazu, dass der Hund Stress abbauen und Dinge verarbeiten. Achte also darauf, dass dein Hund ausreichend Ruhe bekommt, besonders nach Situationen, die für deinen Hund stressend waren.


7. Ausgleich schaffen

Beschäftigt euch nicht immer nur mit eurem Problem, sondern genießt auch mal andere Momente zusammen. Überlege dir, was dein Hund gerne macht und habt gemeinsam Spaß. Egal ob gemeinsam spielen, rennen, Dummytraining, tricksen etc. So könnt ihr beide zwischendurch auch mal wieder abschalten und durchatmen und neue Energie für herausfordernde Situationen tanken.


8. Lass die anderen einfach reden

Dieser Tipp erstmal so gar nichts mit deinem Hund zu tun. Wir alle kennen es, dass andere Leute gerne ihre Nase in fremde Angelegenheiten stecken und ihren Senf dazugeben. Du tust dir selbst einen wirklich großen Gefallen, wenn du diese Menschen einfach ignorierst, denn sie saugen nur unnötige Energie. Mach dein Ding und denke nicht darüber nach, was andere Leute denken oder sagen. Du trägst die Verantwortung für deinen Hund und kennst ihn wie kein anderer und daher weißt du auch am besten, was für euch das Richtige ist.


Ich hoffe, ich konnte dir helfen und du kannst mit der nächsten unsicheren Situation deines Hundes ein bisschen besser umgehen. Wichtig ist aber immer: Wenn du dir selbst irgendwie unsicher bist, dann scheu nicht davor zurück, dir Hilfe zu holen und einen Hundetrainer um Rat zu fragen. Denn die eigene Unsicherheit wird dir sonst immer im Weg stehen und das kann euer Problem schnell eher größer als kleiner werden lassen. Außerdem ist ein „Um Hilfe bitten“ nichts Schlimmes und bedeutet nichts anderes als, dass du Verantwortung übernimmst.


Hier geht's zu Teil 3 der Beitragsreihe, in dem wir dir erklären, welche Hormone bei Angst eine Rolle spielen und was du beachten kannst.


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