Mein Hund hat Angst - was passiert da eigentlich? (Teil 3)

Was passiert eigentlich in meinem Hund, wenn er Angst hat? Angst ist ein sehr individuelles Gefühl und genauso ist das Verhalten, mit welchem unser Hund auf Angst reagiert, unterschiedlich. Die körperlichen Prozesse, die sich in unserem Hund in Momenten der Angst abspielen sind allerdings doch sehr ähnlich. Spannend ist außerdem, dass diese Abläufe im Hund in vielerlei Hinsicht denen in uns Menschen ähneln.



Reiz-Reaktions-Modell

Das Reiz-Reaktions-Modell besagt, dass auf einen spezifischen Reiz eine definierte Reaktion erfolgt. Zwischen Reiz und Reaktion steht der Organismus in seiner Komplexität. Wenn dein Hund also auf die schreienden Kinder (Reiz) auf dem Spielplatz mit lautem Bellen und nervösem Hin- und Herlaufen (Reaktion) antwortet, passieren dazwischen körperliche Prozesse, die zu der Reaktion führen. Der Reiz wird über die Sinnesorgane aufgenommen, in elektrische Signale umgewandelt und anschließend an das Rückenmark und das Gehirn weitergeleitet. Dieses verarbeitet den Reiz und weißt über die Nerven wieder verschiedene Organe an, zu reagieren. Neben einer Reaktion der Muskeln, die sich z.B. in Zittern, Flucht oder Angriff äußern können, finden zudem Hormonausschüttungen statt, die das Verhalten deines Hundes maßgeblich beeinflussen.


Hormonausschüttungen

Wenn ein Hund einem Reiz ausgesetzt ist, den er als gefährlich bewertet, schüttet der Körper unterschiedliche Hormone aus, die wiederum zu verschiedenen körperlichen Reaktionen führen. Manche davon sind für uns Menschen besser sichtbar als andere. Je nach ausgeschütteten Hormonen, bleiben diese körperlichen Reaktionen länger oder kürzer bestehen.


Bei Angstreaktionen werden im Körper des Hundes unter anderem drei bedeutende Hormone ausgeschüttet: Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol.


  • Adrenalin wird meist bei akut eingestuften Gefahren gebildet und führt zu einer höheren Herzfrequenz und einer schnelleren Atmung. Es führt beim Hund dazu, dass er leistungsfähiger auf die Situation reagieren kann. Er kann dadurch schneller fliehen, länger kämpfen oder auch Schmerzen ignorieren. Es ist ein Hormon, das in Extremsituationen dabei hilft, das Überleben zu sichern.

  • Noradrenalin verdrängt im Gehirn das Hormon Serotonin, das für die Konzentration und planvolles Handeln verantwortlich ist. Durch die Ausschüttung von Noradrenalin kann der Hund schneller Entscheidungen treffen, sich aber weniger gut konzentrieren und kommunizieren.

  • Cortisol Das Hormon ist für die Bereitstellung von Energiereserven zuständig und regelt den Blutzuckerspiegel. Durch eine erhöhte Ausschüttung dieses Hormons, hat der Hund mehr Energie zur Verfügung. Allerdings schränkt eine erhöhte oder sehr lang anhaltende Ausschüttung des Hormons den Hund beim Zugriff auf seine Lernerfahrungen ein.


Durch die Ausschüttung dieser drei Hormone wird der Hund körperlich leistungsfähiger, allerdings geistig auch eingeschränkt. Diese Einschränkung kann sich durch eine Denk- und Lernblockade bemerkbar machen. Zudem können bereits abgespeicherte Informationen nicht in gewohnter Art und Weise abgerufen werden. Der Hund wirkt für den Menschen dadurch oft „ungehorsam“, ist allerdings einfach nicht ansprechbar bzw. aufnahmefähig.


Körperliche Reaktionen

Die körperlichen Reaktionen, die auf die Ausschüttung der Hormone folgen, sind bei jedem Hund unterschiedlich. Dennoch lassen sich häufig gewisse Symptome beobachten. Darunter fallen u.a.: Hecheln, Haarausfall, Schuppenbildung, Zittern, schwitzige Pfoten, Steifheit des Körpers, Vokalisieren, Speicheln, Durchfall, Urinieren, Entleeren der Analdrüsen, unverhältnismäßige Aggression.

Zudem können vor allem bei langanhaltendem Stress auch Symptome auftreten, die nicht direkt sichtbar sind. Dazu zählen, erhöhte Infektionsanfälligkeit, dauerhafte Magen- Darm-Probleme, erhöhte Atemfrequenz, erhöhter Puls, erhöhter Blutdruck und Lethargie.


Abbau von Stresshormonen

Wenn das Stresssystem des Hundes aktiviert wurde, benötigt der Organismus eine gewisse Regenerationszeit bis sich die Konzentration der Stresshormone im Blut normalisiert. Adrenalin und Noradrenalin werden dabei wesentlich schneller (in wenigen Minuten) abgebaut als Cortisol (normalerweise in einigen Stunden). Der Abbau von Cortisol kann aber je nach Hund, Intensität und Dauer der angstauslösenden Situation durch anhaltende neuronale Aktivität mehrere Tage dauern. Das wiederum kann eine Auswirkung auf das Verhalten deines Hundes in den folgenden Tagen nach dem auslösenden Ereignis haben. Denn aufgrund der noch vorhandenen Stresshormone im Körper sind beispielsweise Situationen, die dein Hund sonst schon gut bewältigen kann, vielleicht wieder schwieriger, dein Hund ist generell nervöser, schreckhafter oder schlechter ansprechbar.


Es ist also wichtig nach angstauslösenden/stressenden Situationen für Entlastungs- und Erholungszeiten zu sorgen, damit Stresshormone abgebaut werden können, um ein Lernen wieder zu ermöglichen und Nebenwirkungen von dauerhaftem Stress zu vermeiden.


Falls du Teil 1 und 2 der Beitragsreihe verpasst hast, findest du diese hier:

Teil 1: Mein Hund hat "Angst"

Teil 2: Mein Hund hat „Angst“ – und jetzt?


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